Anders als gedacht

Du wohnst in einer Gastfamilie in Kampala. Das war alles was ich vorher wusste. Nicht, wie sie heißen, nicht, ob sie Kinder haben und nicht, wie alt sie sind. Na gut, dann hat man am Anfang eben viel zu fragen.
Und dann hieß es plötzlich: deine Gastfamilie ist da. Begrüße sie. Ok. Zu erst den Mann, damit er nicht beleidigt ist. „Hello, how are you? What’s your name?“ Oh, kenn ich nicht. Nochmal wiederholt, damit ich ihn auch richtig ausspreche. „This ist Sara.“ Ok, seine Frau. Beide sind irgendwie ziemlich zurückhaltend. Shit, ich hab den Namen von dem Mann vergessen. Es war irgendwas mit Mu… Nicht so schlimm. Ich frage einfach jemanden von UVP. „Hey Hellen, ich hab den Namen von meinem Gastvater nicht richtig verstanden, wie heißt er nochmal?“ „Keine Ahnung.“ Na toll.
Und dann sitze ich auch schon im Auto und wir fahren los. Geredet wird nur auf Luganda. Dann habe ich wenigstens Zeit mir zu überlegen, wie man jemanden unauffällig nach seinem Namen fragt. Ok, ich habe ein, zwei Ideen. Dann kann ich jetzt anfangen etwas über die Familie zu erfahren, mit der ich das nächste Jahr verbringen werde. Ich frage also Sara die hinten neben mir sitzt: „Habt ihr Kinder?“ „Ja.“ „Wie viele?“ „Wer? Ich oder er (kein Glück gehabt, den Namen immer noch nicht erfahren)?“ „Na, ihr.“ „Ich habe eins, er viele.“ Na gut, anscheinend ist das nicht seine einzige Frau. Schweigen… Nur unterbrochen durch die gelegentliche Benennung wichtiger Gebäude. Na toll.
Mittlerweile sind wir schon ganz schön außerhalb von Kampala.Wir biegen von der Hauptstraße ab und sind mitten in einem Dorf. Von wegen Kampala. Für mich ist das hier ein Dorf. Dann halten wir vor einer Schule. Mir wird mein Zimmer gezeigt und erfahre, dass der Mann der Schulleiter und Sara eine Lehrerin ist und die beiden gar nicht verheiratet sind.
Ich wohne in einer Schule in einem Dorf außerhalb von Kampala. Anders als gedacht…

Später sitze ich in meinem Zimmer: ein Bett, ein Stuhl, eine Ablage, eine Glühbirne, aber kein Lichtschalter. Sara kommt um mich einigen Leuten vorzustellen und mir kurz das Gelände zu zeigen. Dann gehen wir die Straße runter und besuchen das Haus meines „Gastvaters“. Es wird wieder viel geschwiegen, aber ich erfahre, dass er gerade umbaut und ich in ein paar Monaten zu ihm ziehen werde (deswegen also Gastfamilie).
Ich komme zurück und niemand ist da, den ich kenne. Ich laufe über die Wiese vor der Schule und werde sofort von Abdal, einem der Lehrer angesprochen. Auch er will mir das Gelände zeigen. Wir gehen durch den Garten, an den Kühen und Ziegen vorbei, zur Bibliothek und zur Küche, ein Nebengebäude, in dem auf offenem Feuer gekocht wird. Es gibt drei große Gebäude mit Unterrichtsräumen für Primary und Secondary und den Schlafräumen. Das Secondary Gebaude liegt auf einem Hügel. In ihm befindet sich auch ein Raum mit einigen mechanischen Nähmaschinen und einem Computer. Mechanische Nähmaschinen, weil es hier nicht immer Strom gibt. Auf dem Weg zurück gehen wir an der Wasserpumpe vorbei. Wir setzen uns unter den Mangobaum auf der Wiese vor der Schule und Abdal fragt mich, ob ich gerne Fußball spiele. Ich hole den Ball und wir spielen mit zwei der Schüler in den letzten Sonnenstrahlen des Tages Fußball. Als die Sonne hinter den Bäumen verschwindet zeigt er mir, wo ich mich duschen kann. Eine Toilette (ein Loch im Boden, so wie manchmal in Südeuropa, bloß ohne Spülung) und ein Eimer Wasser. Das ist Duschen ohne fließend Wasser.
Ich gehe in mein Zimmer und mir wird Essen gebracht. Mittlerweile ist es dunkel und es gibt keinen Strom, das einzige Licht scheint vom Mond durch die offene Tür. Nach dem Essen gehe ich raus. Die Schüler sitzen herum und essen, spielen oder trommeln. Und wieder dauert es nicht lange bis ich angesprochen werde. Diesmal ist es Hassan, einer der älteren Schüler. Und sofort bin ich umringt von Kindern, die mich tausende von Fragen fragen, wissen wollen wie es in Deutschland so ist und mir alles mögliche über Uganda erzählen. Ich zeige Bilder von meiner Familie und Freunden, erzähle und höre zu und frage selbst viel Dinge (unter anderem nach dem Namen meines Gastvaters, den mir aber niemand sagen kann). Schließlich ruft jemand „Time to sleep!“ Das Angebot nehme ich gerne an und gehe ins Bett. Pünktlich zum Schlafen gehen geht das Licht in meinem Zimmer an. Es brennt die ganze Nacht.

Anders als gedacht? Einiges… aber mir gefällts.

Den Namen meines Gastvaters habe ich erst am nächsten Tag erfahren. Er heißt Salim. Also nicht mit Mu… Anders als gedacht.

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Welcome to the Pearl of Africa!

So hat Churchill Uganda einst beschrieben. Und ich habe den Eindruck, als ist man hier sehr stolz darauf.

Die ersten Tage haben wir in einem Konferenzzentrum in der Nähe von Kampala verbracht. Dort hatte UVP (Ugandan Volunteers for Peace), die Partnerorganisation meiner Endsendeorganisation ICJA, ein Arrival Camp organisiert, um uns auf unser Jahr in Uganda vorzubereiten. Was das alles heißt, könnt ihr hier lesen.

Von Frankfurt nach Entebbe, dem internationalen Flughafen Ugandas fliegt man 12 Stunden. Diese 12 Stunden hätten sich allein für den ersten Tag gelohnt, in dem ich so viel Neues gesehen habe, wie selten zuvor innerhalb eines Tages.
Celina, Lisa, Rebecca, Miriam, Clara (die Freiwilligen aus Deutschland mit denen ich geflogen bin) und ich wurden, in Entebbe angekommen, von Talad und Sandra von UVP abgeholt. Wir quetschten uns mit unserem Gepäck in die beiden Autos und fuhren Richtung Camp. Völlig überflutet von den ganzen Eindrücken kann ich nicht mehr sagen ob die Fahrt eine halbe oder zwei Stunden gedauert hat. Die Straße war voll mit Autos, Boda Bodas (Motorradtaxis) und Fahrrädern. Am Straßenrand geschäftige Menschen, einige Läden sind nicht mehr als aus Brettern gebaute kleine Stände, andere, Häuser, bemalt mit den Marken der zu verkaufenden Dinge. An den Baustellen abenteuerliche Holzkonstruktionen und überall grüne Pflanzen oder rote Erde.
Im Camp angekommen trafen wir die anderen Freiwilligen: Bruno (auch aus Deutschland), Natalie (Ecuador), Thordis (Island), Ruth (Österreich) und Jason (aus Belgien, kommt aber ursprünglich aus Griechenland), die zum Teil früher angekommen sind und den Tag in Kampala verbracht haben. Sie warnten uns vor dem Chaos in der Down Town und wünschten denen, deren Projekte in Kampala sind, viel Glück um das Jahr heil zu überstehen. Das betrifft eben auch mich…
Am nächsten Tag kamen weitere Mitarbeiter von UVP und das Camp begann. Es bestand im wesentlichen aus der bei jeder Gelegenheit geäußerten Begrüßung „Welcome to the Pearl of Africa!“, allerhand Infos zu dem, was uns erwartet, ein paar Tipps für schwierige Situationen, Sicherheitsinfos eines sehr von seiner Regierung überzeugten Polizeibeamten und vor allem dem Lugandakurs. (Luganda, das ist die Sprache der Baganda, die in Buganda einem der Königreiche in Uganda, leben.) Man kommt zwar auch gut mit Englisch zurecht, aber wenn man nicht ganz so sehr wie ein Tourist rüber kommen will, muss man auf die richtige Art Danke sagen (bisher kenne ich drei) oder auf ein „Muzungu, how are you?“ mit „Gendi. oli otya?“ antworten können.
Gleich am zweiten Tag konnten Jason und ich unsere neu erworbenen Lugandakenntnisse bei einem ersten Ausflug aus dem Camp anwenden. Godfrey, der Trainer der Fußballmannschaft, die auf der Wiese hinter unserem Haus trainiert, hatte uns eingeladen bei ihrem nächsten Spiel zuzuschauen. Sein Assistenztrainer Humus (die Schreibweise ist nicht mehr als ein Vermutung, bei vielen Namen habe ich einfach keine Ahnung wie man sie richtig schreibt) holte uns vom Camp ab und führte uns zum Fußballplatz im nahegelegenen Dorf. Ich war völlig überrascht von der Offenheit, mit der uns hier begegnet wird. Die Gespräche begannen oft mit einem einfachen „Oli otya?“ und nach einiger Zeit wurden Fotos gemacht oder Mailadressen ausgetauscht. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir, als weit und breit einzige Weiße, eine gewisse Prominenz hatten.
Am letzten Tag des Camps fuhren wir mit dem Taxibus nach Kampala. Die Taxis werden hier wie Busse benutzt. Sie sind so groß wie ein VW-Bus und haben 15 Sitzplätze, davon je einen für Fahrer und Kassierer, was aber nicht heißt, dass auch wirklich nur 15 Menschen mitfahren. Je weiter wir Richtung Innenstadt kamen, desto öfter geriet der Verkehr ins Stocken. Wieder mal beeindruckt von der Umgebung war das für uns aber alles andere als langweilig, stattdessen hingen wir an den Fenstern und beobachteten das Leben in Kampala. Für den Fahrer war es wohl eher Alltag, er nutzte die kurzen Pausen für ein Nickerchen und wurde, wenn es wieder weiter ging, vom Hupen der nachfolgenden Taxis geweckt. Ich hatte mir den Tag als Stadtbesichtigung vorgestellt, stattdessen war es eher eine Besichtigung der örtlichen Geschäfte und Banken. Bis wir alle unser Geld umgetauscht und Handys und Sim-Karten gekauft hatten, war der Tag schon vorbei und wir hatten nicht mehr gesehen als die für mich so beeindruckend lebendig wirkende Down Town und ein Shoppingcenter für Reiche und Weiße, in dem es auch nicht anders aussieht als bei uns. Trotzdem hat sich der Tag gelohnt und ganz so schlimm wie beschrieben war es doch nicht. Glücklicherweise ist mein Projekt ganz in der Nähe von Kampala und ich werde wohl noch viele Gelegenheiten haben, mich hier umzusehen und davon zu schreiben. Zum Abschluss hatten wir Abends eine Abschiedsparty.
Am Tag darauf, wurde ich von einem Mann und einer Frau, die mir zuerst als meine Gastfamilie vorgestellt wurden, abgeholt und wir machten uns auf den Weg zu meinem Projekt. Wie es mir dort in den ersten Tagen ergangen ist könnt ihr im Laufe der nächsten Woche lesen.

Danke an alle, die mir in den letzten Wochen eine Mail geschrieben haben. An dem Tag an dem ich sie gelesen habe, ging es mir nicht sonderlich gut und sie haben mich wieder aufgemuntert. Es ist echt schön von euch zu hören.

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ABFLUG

Wenn alles geklappt hat sitze ich jetzt im Flugzeug und komme in gut 12 Stunden an :)

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Mein Projekt: Ridha Orphanage Centre

Zwei Tage bevor es für mich zum Vorbereitungsseminar nach Berlin ging und gut drei Wochen vor der Ausreise habe ich mein endlich mein Projekt erfahren. Das Projekt, in dem ich im nächsten Jahr arbeiten werde, ist ein Waisenhaus und eine Schule in Kampala, der Hauptstadt Ugandas.

In dem Waisenhaus leben fast 500 Kinder und Jugendliche. Laut der Projektbeschreibung geht die Schule von Pre Primary bis Secondary, also Vorschule (2 Jahre), Grundschule (7 Jahre) und weiterführende Schule (4 Jahre). Entsprechend groß ist dann wohl auch die Altersspanne. Die Schule bewirtschaftet außerdem einen eigenen Garten und stellt Ziegelsteine her.

Ich denke so unterschiedlich wie das Projekt werden auch meine Aufgaben sein. Ich hoffe ich darf überall mal reinschauen. Am meisten freue ich mich auf alles was mit der Freizeitgestaltung zu tun hat, aber auch den Teil mit körperlicher Arbeit finde ich ziemlich interessant. Unterrichten dagegen stelle ich mir ziemlich schwer vor. Aber mal sehen was auf mich zu kommt.

Mehr weiß ich noch nicht über mein Projekt. Man darf also gespannt sein…

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Mein Uganda Blog

In diesem Blog werde ich euch im nächsten Jahr über meinen Freiwilligendienst in Uganda berichten. Momentan stecke ich noch voll in den Reisevorbereitungen. Den ersten richtigen Artikel gibts deshalb erst Ende Juli nach dem Vorbeireitungsseminar und vor dem Abflug!

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